9. Feb. 2021 FÜNF-Liber-Rundtour / FÜNF-Frauen-Skitour Carin Antweiler

Bericht von (Carin)

„Treffpunkt Näfels-Mollis um 8.07 Uhr. Dann mit dem Taxi ins Skigebiet Schilt. Retour von Obstalden.“

Was ziehe ich an? Mit dieser Frage begann für mich unsere Fünf-Frauen-Skitour schon am Vorabend. Mein Wetterapp prognostizierte Schneeregen. Frieren oder schwitzen? Ich entschied mich fürs Frieren.

Am nächsten Morgen im Zug war mir zunächst sehr wohl mit meiner leichten Wanderhose. Kurz vor Rapperswil hatte ich dann andere Probleme. Mein Zug war verspätet. Wartete der Anschlusszug? Als mein Zug in den Bahnhof einfuhr, positionierte mich in der Mitte des Zuges direkt vor dem Ausgang, damit ich sofort losrennen konnte. Was mache ich, wenn ich den Anschlusszug verpasse? Das Taxi wartete und der nächste Zug fuhr erst in 30 Minuten. Mir viel ein, dass man anstatt „Sorry dass ich zu spät komme“ besser sagt „Danke fürs Warten“.

Als ich da kurz vor Rapperswil sehr angespannt vor der Zugtüre stand, geschah etwas, was ich gar nicht lustig fand. Hinter mir kicherte eine Frau. Genervt und mit bösem Blick drehte ich mich um. Und da war sie: Carin, die Tourenleiterin! Meine Miene entspannte sich sofort und erleichtert kicherte ich zurück. Wir waren zusammen im selben Boot! Und das Boot war auch ein Zug. Als unser Zug im Bahnhof einfuhr, schauten wir gespannt auf das gegenüberliegende Gleis. Carin: „Er ist nicht mehr da“. Ich entgegnete „Der andere Zug ist sehr kurz, warte noch“. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt. … und sie starb. Alsdann steckten wir in Rapperswil 30 Minuten fest. Während ich mich um gute Laune bemühte und Gipfeli kaufte, kümmerte sich Carin um die Logistik und verhandelte mit dem Taxifahrer. Er hätte noch andere Gäste, er wolle diese nicht warten lassen. Mist! Carin konsultierte unseren Mitskitourenfrauen. Diese waren optimistisch. Susanne meinte, wir sollen beruhigt sein, sie werde sich schon etwas einfallen lassen und lachte. Unser Schicksal lag in ihrer Hand.

Als wir eine halbe Stunde verspätet in Näfels-Mollis ankamen – ich hatte mir im Zug die Regenhose übergezogen, denn draussen regnete es - war das Taxi … noch da. Susanne begrüsste uns grinsend. Für zwei Take-Away Kaffees hatte sie die beiden anderen sympathischen Wintersportler zum Warten bewegen können. Im warmen Kleinbus fuhren wir lachend durch den Schneeregen zum Skilift Schilt. Susanne hatte uns schon das 15.- Fränkige Ticket für Bus und Skilift besorgt. Als wir beim Skilift ankamen, fuhr dieser nicht. „Es hat eine Kamera“ rief eine der Frauen, und als ich auf dem Trassee stand und mit meiner Hand den Bügel ergreifen wollte, fuhr dieser plötzlich davon. „Das ist nicht kundenfreundlich.“ Bei der Mittelstation fragte eine der Frauen. „Hat es oben ein WC?“, „Keine Ahnung“, „Dann gehe ich hier noch aufs WC“. Einheitlich beschlossen wir fünf Frauen, präventiv aufs WC zu gehen. Ich kam zur Einsicht, dass ich doch nicht ideal angezogen war. Unter der Regenhose schwitzte ich trotz Kälte. Eine der Frauen meinte noch „Ist die Goretex?“ Eben nicht! Ich schwor mir, nie mehr die Regenhose mitzunehmen, denn die bringt gar nichts! Also zog ich auf dem WC die Regenhose aus und die Thermohose unter die Wanderhose an. Und ich hatte Glück: Als ich ins Freie kam, war der Schneeregen vorbei. Es schneite nur noch. Nun war ich perfekt angezogen!

Oben am Skilift angekommen, froren alle Frauen und wir fuhren sogleich rechts hinunter in Richtung Alpgebäude. Von da an gings aufwärts. Der Schneefall lies leicht nach, und wir stiegen, munter und gut gelaunt, der kaum erkennbaren Skispur entlang den Hang hinauf. Nachdem wir 5 Minuten hochgelaufen waren, hatte die erste Frau plötzlich unglaublich heiß und musste sofort etwas ausziehen. Wir anderen hatten Verständnis und zogen auch alle etwas aus. Dann ging es fröhlich weiter. Nach weiteren 10 Minuten wurden dann auch noch die Halstücher und Mützen entfernt, aber das ging problemlos während des Laufens. Oben auf der Kuppe angekommen, blies uns ein harter, kalter Schneewind entgegen. Sofort waren Halstuch und Mützen wieder übergestreift. Jetzt ging es richtig los. Denn von nun an wurde es einfarbig: Der Hintergrund war weiss, der Vordergrund weiss und der Himmel ein weisses Schneegestöber. Wir betrachteten eine Weile diesen weissen Vorhang und dachten: Was nun? Nach einer Weile bemerkte eine, sie hätte mal jemanden getroffen, die hätte sich übergeben müssen wegen der schlechten Sicht. War dies eine hilfreiche Information? Unsere Top-Tourenleiterin wusste sich zu helfen und zückte ihr GPS-Gerät. Mit dessen Hilfe setzten wir unsere Reise gut gelaunt fort. Wegen des dichten Nebels sahen wir nur knapp zur vordersten Frau.

Unsichtbaren Schneeverwehungen erschwerten unser Vorankommen. Die vorderste Frau, Carin, musste nicht nur den Weg finden und spuren, sondern auch aufpassen, dass sie nicht plötzlich eine Schneewächte hinunterfiel. Das Gelände wurde schnell steiler. Unter den ca. 15 cm Neuschnee war auf der Unterlage der Saharastaub vom Samstag sichtbar. Es wurde diskutiert, welchen Einfluss dies auf die Lawinensituation hat. Wir kamen zum Schluss, dass der Saharastaub die Verbindung der Schichten nicht begünstigt. Daher machten wir 10-15 m Abstand und zogen die Harscheisen an. Carin beschloss, direkt auf die Krete zu gehen, die total verblasen war. Die Steine waren mit einer Eisschicht überzogen. Dank der Harscheisen war die Überschreitung der vereisten Steine und Grasbüschel ein Kinderspiel. Oben auf der Krete angekommen, diskutierten Carin und Susanne die weiteren Schritte. Die restlichen Frauen befassten sich mit der Wettervorhersage. „Um 13 Uhr wirds sonnig!“ Welch ein Hoffnungsschimmer, der am Horizont nicht erkennbar war. Es war ja auch erst 12 Uhr. Weiter gings, immer wieder überraschend hoch und runter, die Sicht freundlich, weiss in weiss. Wir diskutierten über Goretex-Jacken. Hast du gewusst, dass es verschiedene Goretex-Jacken gibt? Solche für Viel-Schwitzer und solche für Wenig-Schwitzer? Nein, habe ich nicht gewusst, ich habe nur eine. Mit Hilfe des GPS-Geräts tasteten wir uns Schritt für Schritt langsam durch den dichten Nebel. Ab und zu schaute ich auf Schweizmobil nach, wo wir waren, und sah, dass wir dem Wanderweg folgten. Beim Punkt 2064 wählte Carin den linken Weg, und wir tappten durch den dichten Nebel linksherum um den Siwellen. Beim Punkt 2244 wurde mehr und mehr ein heller Ring am Horizont sichtbar. Kurz unter dem Gipfel wurde die Sicht definitiv besser und wir konnten das Gelände vor uns erkennen. Jetzt kamen wir schneller voran, flugs stiegen wir über eine kleine Wechte und schon stand neben mir das Gipfelkreuz. Meine Uhr zeigte: 4.05 km, 722 hm, und 681 kcal. Ich überlegte mir, was ich dafür essen kann. Das sind sechs Eier. Es war 13 Uhr, der Himmel wurde blau. Perfekt, um traumhafte Gipfelfotos zu schiessen und unseren Männern ins homeoffice zu schicken.

Die Freude war von kurzer Dauer. Schon stiegen die Nebelschwaden wieder. Noch waren in der Ferne die Gipfel des Fronalpstocks und Mürtschenstocks über der Nebeldecke erkennbar. Trotz des Nebels beschlossen wir, nicht unserer Skispur entlang zurück, sondern die tolle Abfahrt nach Obstalden zu wählen. Der Nebel war nicht mehr konstant so dicht. Sonne und Nebel wechselten sich ab, d. h. alle 10 Minuten wurde die Sicht für 5 Minuten klarer. Dies bedeutete eine markante Verbesserung der Sichtverhältnisse! Die Abfahrt war herrlich fraulich, ca. 15 cm leichter Pulverschnee auf einer glatten, unverfahrenen Unterlage. Es war traumhaft. Und weit und breit kein Mensch. Wir waren die einzigen, die sich bei diesen schwierigen Sichtverhältnissen auf eine Skitour wagten. Runter ging es zu den Alphütten im Ober Mürtschen und dann dem Wanderweg entlang Richtung Punkt 1744. Ich fand es sehr praktisch, dass der Wanderwegmarkierer die Wanderwegzeichen auf Pfähle gemalt hatte, die aus dem Schnee lugten. Weiter unten, beim Punkt 1771, mündete eine einzelne Abfahrtspur von rechts her ins Tal. Dieser Spur folgten wir durch den Wald. Weiter unten blieben wir auf dem oberen Wanderweg, dank dem GPS-Gerät nicht wie ein Esel am Berg sondern unter dem Esel, wie die Felsen dort heissen. Am untersten Punkt angekommen montierten wir die Felle. Der Nebel verdichtete sich wieder und wir mussten einen immer steiler werdenden Hang queren. Wir machten 10-15 Meter Abstände. Der Hang wurde immer steiler und schien endlos, auch weil wir nichts sahen, unten und oben, vorne und hinten nur ein weisser Vorhang. Carin navigierte uns zuverlässig immer etwa auf der gleichen Höhe bleibend dem Wanderweg auf der Karte folgend durch den immer steiler werdenden Hang. Wir überquerten Lawinenabgänge und einmal eine Wechte, die wir erst bemerkten, als die vorderste Frau überraschend plötzlich aus unserem Sichtfeld verschwunden war. Ich war froh, als wir den steilen Hang hinter uns gelassen hatten und auf eine kleine Anhöhe kamen.

Nach dem Abfellen erwartete uns nochmals eine super tolle Abfahrt nach Obstalden. Ab Hüttenberg waren die Strassen schneefrei, aber auf den Wiesen war genug Schnee für die Abfahrt bis nach Obstalden, auch wenn weiter unten die weisse von einer grünen Unterlage abgelöst wurde. Am Ziel angekommen zeigte meine Uhr für die Abfahrt: 10.27 km, 1472 hm, und 681 kcal. Nochmals sechs Eier. Um 17:10 Uhr fuhr der nächste Bus in Richtung Mühlehorn und wir hatten noch viel Zeit zum im Volg Eistee kaufen zu gehen.
Der Tag endete, wie er begonnen hatte: In Rapperswil verpassten wir den Anschlusszug und 30 Minuten später als geplant waren wir dann glücklich und zufrieden zuhause.

Vielen Dank, Carin, für die tolle Skitour. Du hast uns super durch den Nebel geführt, Chapeau! Und die Abfahrt war traumhaft!