30.8.-1.9.2019 Piz Cavadiras Carin Antweiler
Teilnehmer 1 Damen, 5 Herren (inkl. TL)

Bericht von Edwin Hof

Pizza und Wein, na, das nenne ich einen guten Einstieg am Freitagabend in Disentis. Marcel stiess nach 22 Uhr hinzu und wunderte sich, dass alle schon im Bett waren. Das war auch nötig, denn am Samstag gab es um 5 Uhr einen reichhaltigen Zmorge, der uns für die lange Tour vorbereitete. Das Taxi fuhr uns 850 Höhenmeter hochfuhr. Für alle, die den Einstieg in den bekannten Cavardiras Südgrat suchen: Im dritten und dem Gipfel am nächsten liegende Couloir muss etwa 40 Meter hochgekraxelt werden. Das wissen wir nun auch.
Die drei Zweierseilschaften hatten rund 13 Seillängen, meistens 3a-4c vor sich und der Wetterbericht prophezeite leider doch Gewitter um 14:30. Also, hopp de Bäse an den griffigen Fels mit Graspartien. Marcel strebte senkrecht voran und eröffnete in Seillänge 10 unter hörbarem Fluchen eine neue luftige Route, da die knapp ausreichend gesetzten Bohrhaken rechterhand kaum zu sehen waren.
Der unterzuckerte Schreibende hätte kurz darauf am liebsten den Bettel hingeworfen, was auf einer Grattour nun ja wirklich nicht geht. Aufmunterung und Cola halfen auf den Gipfel. Der kurze Übergang zum Brichlig war geschafft, als die Munterkeit um 14:30 (der Wetterbericht war exakt!) mit dem ersten nahen Donnerknall ein jähes Ende fand. Zügig, konzentriert und mit dem Herz in der Hose stiegen wir die Stahlseile vom Brichlig ab, verpassten das Steinmännchen für den Direktabstieg und gelangten gerade noch vor dem Regen in die Cavardirashütte. Auch wenn Petrus zuweilen getadelt wird, heute hat er alles richtig gemacht: Die Gewitterzelle zog beim Oberalpstock zu unserer riesigen Erleichterung vorbei.
Für den Sonntag verhiess der Wetterbericht zunächst etwas Sonne und dann Regen ab 14:30, beinahe ein Déjà-vu. Wir wollten über den Brunnipass zum Klettergarten südlich des Brichlig. Doch vorher erwartete uns das blanke Eis des Brunnifirn. Um Gewicht zu sparen hatten wir unbekümmert auf Steigeisen verzichtet, das gaht dänn schon. Doch der eigentlich muntere Samba auf dem Eis war anstrengender als gedacht und entlockte mehrmals ein Caramba! Dass uns zwei Trailrunner in den leichten Schuhen locker überholten, machte die Sache nicht besser, aber die Stimmung blieb gut.

Der Abstieg vom Brunnipass war ein Lehrstück in Gruppendynamik und Entscheidungsfindung: Mich interessiert der obere Teil des Klettergartens. Ich habe Hunger. Aber nicht die Grasroute. Der untere Teil ist schwieriger und schöner. Nicht für mich. Also, ich könnte geradesogut in die Bergstation Caischavedra wandern und den Tag bei Capuns ausklingen lassen. Was macht das Wetter? Hocken wir mal hin. Gehen wir endlich klettern! Probier mal den neuen Trailmix, ist lecker. Wenn es dort eine Bahn hat, nehme ich die Bahn. Wie spät ist es? Es ist aber ein schöner Abstieg nach Disentis. Schau, da geht es zum Einstieg. …

Von der Aussichtsterrasse der Bergstation beobachten wir die nahenden Regenwolken, die Capuns mundeten und die Talfahrt war bequem. Und auch Petrus machte fröhlich mit: Erst bei der Ankunft beim Bahnhof Disentis begann es zu tropfen.