Klettersteig „Diavolo“ Schöllenenschlucht

25. August 2007
Bericht und Bilder von Hans Richner

Die Sonnenbrille können wir uns bereits beim Morgenkaffee am Bahnhofplatz in Andermatt aufsetzen. Platz finden wir, die den Klettersteig hinaufsteigen wollen, an einem Tisch. Ein herrlicher Spätsommertag mit klarer Sicht und tiefblauem Himmel über dem Urserental.

Diavolo Erst geht’s durchs Kasernenareal, wo sich bereits Vreni verabschiedet, um durch den Chilchenberg-Wald zum Tüfelstalboden hinauf zu steigen. Weiter bei der alten Kirche St. Kolumban aus dem 13. Jh. vorbei gelangen wir auf das begrünte Galeriedach von Bahn und Strasse. Hier haben wir etwas Aussicht auf das bald ehemalige Militärgelände mit Gebäuden und Schiessplätzen. Denn auch heute wird wieder Geschichte geschrieben! Hier sollen bald keine Gewehrkugeln mehr fliegen, sondern die Golfbälle von gutbetuchten Gästen des bald neu entstehenden Resorts „Andermatt“ des Ägypers Sawiris. Eine Wendeltreppe lässt uns wieder auf das Strassenniveau hinuntersteigen, da wo der Eingang zum sog. Urnerloch ist. Es war vor genau dreihundert Jahren der erste durchbrochene Strassentunnel in Uri – 2.5 Meter breit.

Noch wenige Meter und wir stehen auf russischem Boden vor dem beinahe 30 Meter hohen Suworow Denkmal. Kriegsgeschichte von 1799. Die Rucksäcke werden hier geöffnet, der Anseilgurt, Klettersteig-Sicherungsset und Helm entnommen. Gut ausgerüstet steigen wir über das Mäuerchen wieder in die Schweiz, um uns auf den Aufstieg der Via ferrata „Diavolo“ entlang der Stahlseile zu machen. In der Reihenfolge Bobi, Niki, Edwin, Hans und Gusti. So gelingt immer wieder ein Foto nach oben oder in ein fröhliches Gesicht nach unten. Anders als in den senkrechten Kalkfelsen liegen hier die Granitplatten schräg und in den Rinnen ist es oft nass. So muss man etwas vorsichtig sein mit den nassen Sohlen. Der Tiefblick in die Schöllenen mit den Strassenwindungen und Brücken ist beeindruckend. Unablässig rollen die Autokolonnen bergauf und ab. Das Rauschen der zu Tal schäumenden Reuss nimmt den Lärm des Verkehrs auf. Nur das gelegentliche Pfeifen der Schöllenenbahn dringt hinauf.

Diavolo Eine Holzbank lädt nach einer Weile des Anstiegs zu einer kurzen Pause ein mit schöner Rundsicht ins sattgrüne Urserntal mit den dahinter stehenden Muttenhörnern. Der nähere Gurschenfirn am Gemsstock leuchtet weiss mit etwas frischem Schnee zwischen den dunklen Felsen. Bis da brauchte man den „Bipseps“ der Oberarme nicht besonders. Nur einige der Stifte, die wie mächtige Nägel in den Fels getrieben aussehen, lassen uns die Vorstellung eines hier gewesenen Herkules. Erst im letzten Teil stellen sich ein paar Felsen senkrecht. Hier hat es noch ein paar, auch landschaftlich, hübsche Stellen. Fast zuoberst dann beim Tüfelstalboden noch eine Leiter. Leider fehlt oben am Ausstieg die Urnerfahne an der Fahnenstange.

Diavolo Vreni ist bereits hier und geniesst die Aussicht und die reifen Heidelbeeren in der Umgebung. Auch wir tauschen den Helm mit der Sonnenmütze und essen unsern Mittagslunch. Kein Wölklein trübt die klare Sicht, eine Seltenheit in diesem Sommer. Von hier hat man einen guten Ausblick ins Unteralptal, ins Urserental, hinüber zum Rossmettlen- und Spitzigrat, weiter zum Sustenhorn und den vielen Türmen am Salbitschijen und natürlich hinunter in die Felswelt der Schöllenen.

Gemütlich führt ein Waldweg am Chilchenberg durch den Lawinenschutzwald hinab nach Andermatt. Unterwegs gibt es da und dort noch eine Handvoll Heidelbeeren in den Mund. Der Kreis schliesst sich am Nachmittag wieder nach einem schönen Bergtag beim Buffet. Vielen Dank Bobi!