15.-20. März 2008 Tourenwoche Matschertal Franz Stalder

Bericht von Franz Stalder

Ausser teilweise ein bisschen wenig Schnee konnten wir vier rassige, schöne Touren unternehmen: Pleresspitze, Upiakopf, Saldursattel, Rappenspitze. Alle 14 TeilnehmerInnen waren zufrieden – auch Unterkunft und Verpflegung waren gut; es könnte nicht besser sein.

Skitourenwoche Matschertal (Südtirol)

Bericht und Bilder von Hans Richner

Das Matschertal ist ein Seitental des Südtiroler Vinschgaus, das in die südlichen Ötztaler Alpen führt. Nach Südwesten offen, umgibt das Tal ein Bergkranz mit hohen Gipfeln bis zu 3400 Meter. Lärchen- und Zirbenwälder (Arven) reichen bis gegen 2400 Meter hinauf und weisen keinerlei Schneisen von Bahnen und Liften auf.

Franz Stalder, der die Organisation inne hat und Bergführer Ernst Jauch, ein bewährtes Team, werden uns also in eine intakte, urige Naturlandschaft führen.
Eine Berggegend, geographisch zwischen Nord und Süd, wird mit Niederschlägen nicht so üppig überzogen. So werden wir keine dicke Schneedecke vorfinden, die im Unterbau zudem mit kantig aufgebautem Schnee besetzt ist. Viele Winterstürme haben die west bis nach nordwest ausgerichteten Hänge der Berggipfel auf den obersten dreihundert Metern beinahe völlig frei geblasen. Ernst wird aber für uns trotzdem sichere und attraktive Routen finden!

Am schönen, sonnigen Samstag fährt die Reisegruppe von der Deutschschweiz in die östlichste Ecke der Schweiz über den Ofenpass das Münstertal hinunter. Wenig später ziehlt das Postauto durch die engen Torbogen des mittelalterlichen Städtchens Glurns und erreicht rasch das nahe Mals. Der Ortler und die Königsspitze zeigen sich prächtig auf der Fahrt mit dem Kleinbus zum kleinen Bergdorf Matsch hinauf. Nach weitern sieben km taleinwärts durch Wiesen, viel Wald und entlang dem Saldurbach öffnet sich eine Weide mit dem Ausser Glieshof und dem Glieshof 1824m. Ein Ensemble mit grossem Bauernhof, Gasthof und einer Kapelle.

Längst haben die Schweizer diesen Ort entdeckt. Die Familie Heinisch übertreibt im Prospekt nicht, wenn sie uns hier ein angenehmes familiäres Ambiente mit hervorragender Küche, eine Harmonie in Einklang mit der grossartigen Bergwelt anpreist. Selbst die Skier und Schuhe haben ihren „Wohlfühlraum“ zum Trocknen im geheizten Raum.

Einen Spaziergang zur Matscher Alm runden erste Eindrücke des Tales ab. Während dessen kehren vier glückliche Teilnehmer, die bereits eine Woche hier verbrachten, von einer Skitour vom Upiakopf zurück.

Sonntagmorgen. So wechselvoll wie die letzten Tage setzt sich das Wetter fort. Gestern schön und sonnig, liegt heute dichter Nebel im Tal. Das Tourenziel aber ist gegeben, die Pleresspitze 3188m. Um 8 Uhr ist Abmarsch mit geschulterten Skiern, ist doch das erste Wegstück (ca 20 min) zur Matscheralm ausgeapert. Vier machen heute einen Ruhetag mit Fussmarsch nach Matsch und zurück. Von der Alp geht es mit einigen Spitzkehren durch den Wald hoch, hinauf ins freie Gelände. Dem dichten Nebel im Tal entstiegen, zeigt sich die Wolkendecke darüber etwas lockerer. Die Sicht bleibt aber meist diffus. Die Gipfelfelsen werden aber mangels Aussicht und fehlendem Trittschnee nicht mehr bestiegen. Besonders der Ausblick auf die gegenüber stehenden Saldurspitzen wäre von hier sehr eindrücklich gewesen.

Sich verdichtende Wolken lassen grad zur Abfahrt hin für einige Zeit dichten Flockenwirbel fallen. Eine steile Waldpartie bringt allemal viel Abwechslung und selbst die Wolken verziehen sich zu guter letzt und lassen die Sonne voll auf den frischen Schnee scheinen. Nacheinander treffen die Tourenfahrer auf der frisch gepflügten Strasse beim Glieshof ein und lassen sich bald einen fein duftenden Kaffee oder ein kühles Bier servieren.

Ernst nutzt die gute Sicht noch für einen Rekognoszierungsaufstieg zum Saldurboden. Eine Aufstiegsroute, die es in sich hat!

Am Montagmorgen treten wir direkt neben dem Gasthof in die Bindungen. Den Gipfel des 3175m hohen Upiakopf wollen wir heute ersteigen oder es zumindest versuchen. Auf einem Waldweg laufen wir ins Tal hinein zur Upialm. Der Himmel ist mehrheitlich bewölkt aber doch auch mit ein paar blauen Tupfern darin. In zwei Gruppen sind wir heute vollzählig unterwegs. Von der Upialm aus beobachten wir in einiger Entfernung an einem vormals aperen Hang ein paar Gemsen bei der Futtersuche. Bei uns ist es noch nicht so weit, erst geht es links von einem Felsriegel hinauf und weiter ins Tal bis 2600 Meter hinauf. Erst hier wird im Rucksack nach essbarem gekramt. Ernst zieht die Spur durch eine sanft ansteigende Mulde bis an den Fuss unseres Berges. Hier, auf etwa 2800 Meter, scheint es sinnvoll nicht mehr höher in die verzuckerten Geröllhalden zu steigen, hat sich doch der Wolkendeckel bereits über die Berggipfel gesenkt.

Die Abfahrt im wenig tiefen Pulverschnee ist nicht leid, aber hie und da ist ein Steinkontakt zu spüren. Eine steile Waldschneise vom Weg zu den Wiesen hinunter ist das Skifahrer-Dessert. Danach lassen wir es uns im Glieshof wieder wohl sein.

Kann das heute Dienstag die Königstour sein zur Lazaunscharte 3225m an der Saldurspitze mit 3433m? Um 8 Uhr starten wir wieder in Richtung Matscher Alm / Tschanont bei winterlicher Kälte. Nach dem Einlaufen wechseln wir die Talseite, wo es bald steiler auf einem Geländerücken mit kleinen Arven bergan geht. Spitzkehren folgen oft in kurzen Abständen und lassen vom einen oder andern Mund ein Ächzen oder Gruchsen vernehmen. Oben aber erwartet uns ein sonnenbeschienener Boden, der Saldurboden mit mächtigen Felsgipfeln über uns.

Ernst lässt uns zusammenrücken und erzählt uns wie die beiden Schneebretter an den unweit entfernt liegenden Schattenhängen am Sonntag bei seiner Erkundungstour mit lautem Knall abgingen. Unsere Spur führt nun nach links sanft ansteigend durch eine Mulde. Zeit, bei langsam ziehenden Schritten den Wolkenbildern am Himmel zu folgen, den Moment erleben. Der nächste Aufschwung folgt zu einem Sattel hinauf mit kurzer Pause daselbst. Es ist empfindlich kalt.

Um die nächste Bergkante laufend, öffnet sich ein neuer Blick zum nördlichen Saldur Ferner, dem wir ein gutes Wegstück folgen. Links haltend zieht die Spur später durch eine Mulde zur Lazaunscharte hinauf, umgeben von steilen, rotbräunlichen Fels-Gipfeln. Den ausgesetzten Felsgrat zur Saldurspitze bei etwa -14°C und böigem Wind zu erklettern wünscht niemand. Eilends werden die Felle abgezogen, Skischuhschnallen festgespannt, Reisverschlüsse bis übers Kinn hochgezogen und Arme geschwungen. Dann geht’s auf die Abfahrt in herrlichem Pulverschnee. Die hingelegten Schwünge dürfen sich heute sehen lassen.
Ein angenehmer, milder Mittagsrastplatz lässt sich da oben einfach nicht finden. So wird auch noch die Steilstufe nach dem Saldurboden durch das Couloir in Angriff genommen. Bäume stehen zwar keine im Weg, dafür ist die Schneequalität hier rauher, so muss Mann oder Frau zwischendurch ein „Inventar“ aufnehmen. Unten auf der Alp Tschanont ist es sonnig und mild genug für eine angenehme Rast. Ernst’s legendäres „Händschewasser“ macht hier die Runde bevor es auf dem Waldweg talwärts geht.

Der runde Tisch im Glieshof vermag alle Vierzehn zu einem Trunk vereinen, wo alsbald ein babylonisches Stimmengewirr anhebt. Wir haben es echt gemütlich!

Der letzte Tourentag im Matschertal steht schon bevor. Zielvorgabe ist das nahe Ramudeltal mit der Ramudel Spitze 3330m, das später zum Wärter 3002m geändert wird. Erst auf dem Waldweg ein kurzes Wegstück, wie zur Upialm, bis hinter die mächtigen Lawinendämme, welche die Glieshöfe vor Lawinen aus dem Ramudel schützen sollen.

Trudi geht heute der Schnauf schon bald aus und kehrt um. Mag es am Namen des Tales liegen oder an den vielen Stauden, die zwar nur kurz zu durchqueren sind oder den 1500 Hm? Immerhin verliert Ruedi im stotzigen V-Tal den „Teppich“ (Felle) unter den Füssen. Ein Fussmarsch mit den Fellen um den Bauch bis an die Sonne hinauf ist anstrengend, aber die Felle haften hier wieder. Das Wetter ist wunderbar doch sehr kalt. Im obern Talboden ist gute Sicht auf den schneefreien Hang zur Ramudelscharte. Ernst wendet sich deshalb nun nach rechts durch sanfter ansteigende schneegefüllte Mulden an den Grat, der zum Upiakopf leitet. Wärter heisst diese Erhebung im Grat und bietet eine hübsche Aussicht bis zur Weisskugel und zu zahlreichen Gipfel im Unterengadin. Gefährlich weit lehnt sich Ernst auf dem knappen Fels nach hinten, damit keine Köpfe auf dem Gipfelfoto fehlen.

Der kalte Wind vertreibt uns bald wieder von der luftigen Warte. Pulverschnee ist wieder angesagt, den man aber zeitweilig vorsichtig „geniessen“ muss. Es hat hie und da gröbern „Kaffeesatz“ unter dem luftigen „Nidel“. Im untern Talboden, dort beim kleinen Steinmann auf dem Steinblock, wollen wir essen. Dies aber doch nicht lange, friert doch Ursula fürchterlich und bringt sonst noch den Steinmann zum Zittern. Die Unterlage des Neuschnees wird immer besser und härter und unsere Skikanten kratzen hart bei den schnellen Kehren. Die pfitzenden Ruten bringen wir auch hinter uns und geniessen auf den Wiesen noch ein paar grosszügige Schwünge. Gesund sind alle wieder zum Glieshof zurückgekehrt.

Ein schöner Apèro, gemixt mit leuchtend rotem Rosé und dazu feinem Gebäck, vereint uns in der Arvenstube. Angestossen wird auf die gelungenen Tourentage und auf Franzen’s bevorstehenden Geburtstag. Unser Dank geht an Franz und Bergführer Ernst, die uns sicher die Berge hinauf und hinunter geführt haben und weiter an Maria, der edlen Spenderin des Apéro.

Mit einem Hirschcarpatscho beginnt das Nachtessen und endet mit einer Omlet Surpris. Bei angenehmer, fröhlicher Kameradschft klingt der Abend aus.
Schnell ist am Morgen gepackt und so wie wir hingereist sind geht es am Donnerstag bei Aprilwetter mit Sonne und später im Schneegestöber heimzu.