4.-7. Aug. 2016 Besso (mit ESCW) Hans Jaggi
Änderung  Tour wetterbedingt um 1 Tag verschoben (05. – 08.)
Teilnehmer 2 Damen, 7 Herren (inkl. TL)

Bericht von Hans Jaggi

Programm geändert:
Sa: Klettertour über Le Mammouth, So: Trifthorn, Mo: Besso (ohne Überschreitung).
Dadurch am Montag nur noch 4 TN für Besteigung Besso.

Bericht von Peter Luggen

Kletter- Hochtour Besso (Zinal)
5.-8. August 2016

Tourenleiter: Hans Jaggi
Teilnehmer: 9
Gipfel: Mammouth (3219müM), Trifthorn (3728müM), Besso (3668 müM)
Übernachtung: Cabane de Mountet (2886müM)


"Besso" steht für fachkompetente Spültechnik (www.bessospueltechnik.ch). Einerseits. Andererseits ist es auch ein eindrucksvolles, markantes Stück Gestein, das über dem Val d' Anniviers und dem Dorf Zinal thront. Es ist ein vorgelagerter Gipfel der "Couronne Imperial" (kaiserliche Krone: Weisshorn, Zinal-Rothhorn, Obergabelhorn und Dent Blanche). Den Namen hat es von seinen zwei Gipfeln: in der Lokalsprache "Patois" steht "besso" für Zwilling.

Im letzten Jahr (8.-11. Aug. 2015) durften 5 Berggänger des ESCW, angezogen von ebendiesem "scharzen, wilden Gesellen" mehr mit der Spültechnik denn mit dem Gipfel "Besso" Bekanntschaft schliessen. So traten 4 dieser 5 "Gespülten" und 5 weitere Teilnehmer aus BC und ESCW den Versuch einer Besteigung erneut an.

Freitag, Samstag 05./06.08: In zwar guter Erinnerung des letztjährigen Fondues auf der Mountethütte hat Hans die Tour vom 04. auf den 05.08. verschoben, da für den zweiten Tag (05.08.) Niederschläge gemeldet wurden und wir voraussichtlich auf der Hütte hätten bleiben müssen. Dem wäre tatsächlich so gewesen. Indes stiegen wir bei Niesel, Nebel, Regen und Schnee von Zinal zur Mountethütte auf. Ein Besteigen des Besso bei Eis und Schnee im Gneis am Folgetag war also nicht denkbar. Ein Bergführer mit Gast sowie eine weitere Seilschaft haben es ausprobiert. Es ging nicht. Wir gönnten uns ein wenig mehr Schlaf. Warteten darauf, dass die Sonne das Eis zu Schmelzen vermochte und wagten unser Glück an der sonnenbeschienen Flanke des Mammouth: einer Felskette mit Kletterrouten im 3. Grat direkt bei der Hütte. Die von uns gewählte, weniger vereiste Seite, ist keine offizielle Kletterroute. Ein Überschreiten zum Grat war aus Mangel an Standeinrichtungsmöglichkeiten bei abschüssigen Platten zu gefährlich. Wir kehrten nach der ersten Seillänge um. In der Zwischenzeit hat es weiter getaut und wir wagen uns gegen Mittag in den schattenseitigen Einstieg der Normalroute. Mit drei 2-Seilschaften und einer 3-Seilschaft klettern wir über den luftigen Grat, in schön griffigem Gneis, sonnengetrocknet, Grad IIIa. Das letzte Stück Überschreitung zum Abstieg zur Moräne ist noch immer teils vereist und auch der Fels ist brüchiger. Es lösen sich zweimal grosse Felsbrocken, glücklicherweise beide Male unterhalb von uns. Zeitlich haben wir einiges länger als im Tourenbeschrieb vorgesehen, zum einen weil wir mit neun Leuten eine grosse Mannschaft sind, zum anderen weil viel gesichert wurde. Hauptsächlich aber weil die im Tourenbeschrieb vorgesehenen Zeiten schlichtweg nicht stimmen. Diese sind, wie im Wallis häufig vorkommend, eher von Gebirgsgrenis herrührend und wurden irrsinnigerweise in die Kletterführer einfach übernommen.

Sonntag, 07.08: Noch immer liegt Frischschnee an der Flanke des Besso, so dass wir den Aufstieg nicht wagen, sehr zum Bedauern jener Teilnehmer, die schon letztes Jahr dabei waren und auf den Besso verzichten mussten. Stattdessen steigen wir auf das Trifthorn, ein sehr schöner Schneegipfel zwischen dem Zinal-Rothhorn und dem Obergabelhorn. Mit Gräppini und Pickel gehts über den Gletscher mit einem wunderschönen Gletscherabbruch und zwei Steilstücken hinauf zum Gipfel. Wir haben den ganzen Tag über strahlenden Sonnenschein und das Panorama über die "Kaiserkrone" und das Monte Rosa Massiv ist grandios. Danke den Seilführern Hans und Marcel für die (für mich doch sehr beruhigende) Sicherung mit Pickel und Eisschrauben. Zurück auf der Hütte genehmigen wir uns einen feinen Weissweinapero, bevor der eine Teil der Gruppe sich von den Armen Seelen, die am Montag wieder arbeiten müssen, verabschiedet. Die übriggebliebenen Vier (Hans, Erich, Edwin und Peter) sind bei der Arbeit entweder gut organisiert, so dass sie einen Tag frei nehmen können, pensioniert oder sind einfach leicht zu ersetzen.

Montag 08.08.2016: Endlich doch noch: Die Besteigung des Besso wird realistisch. Wir stehen um 5 Uhr früh auf und laufen zum gut markierten Abzweiger den Hüttenweg hinunter. Wir deponieren alles abkömmliche Material hinter einem Felsen und begeben uns über Geröll, Schutt und harten Schnee zum Einstieg am Ende des obersten Schneefeldes. Die Steigeisen liessen wir im Depot; wir hätten sie eigentlich nur zur Variante mit Überschreitung zum Blanc de Moming gebraucht. Da wir aber am selben Tag noch nach Zinal absteigen wollen, wählen wir die kürzere Variante mit Abstieg über den Damenweg zur Einstiegsstelle.

Der Einstieg und die Route zum Grat (IIa) sind mit roten Punkten sehr gut markiert. Wenn's dann aber auf dem scharfen Grat mit seinem schmalen und grossen Turm (IIIa, IIIb) langsam heikel wird, fehlen sämtliche Weghinweise und die Routenfindung wird ein wenig zur Lotterie, zumal auch die Textbeschreibungen und Skizzen nicht mit der Realität übereinstimmen. Von den angegebenen Zeiten ganz zu schweigen. Die Kletterei ist in griffigem Gneis mit glücklicherweise zumeist trockenen Flechten. Der Grat ist sehr exponiert und lässt den Adrenalinpegel auf gutem Niveau. IIIa-b ist sicherlich nicht untertrieben. Auf dem Gipfel (es ist mittlerweilen schon 13.15 Uhr) ist es wunderbar windstill und sonnig bei herrlichem Panorama. Auch z Horli und der Mont Blanc zeigen sich von diesem Gipfel. Hans drängt bereits wieder zum Abstieg. Für das Gipfelselfie muss die Zeit aber doch noch reichen! Der Abstieg über den Damenweg ist erstaunlich gut zu bewältigen, was man, wenn man den Berg von unten ansieht, niemals erahnen würde. Ärgerlich war nur, dass die Skizzen und Beschreibungen wieder nicht mit der Wirklichkeit überstimmen, so dass wir erneut nach dem richtigen Weg suchen müssen. Eine Überschreitung zum Blanc de Moming wäre völlig illusorisch gewesen, zumal wir schon so das letzte Postauto verpasst haben. Der Abstieg ins Tal ist lang, steil und die letzte gerade Strecke von der Brücke nach Zinal geht üblerweise doch immer wieder "embrüf und embri" und ist eigentlich sowieso überflüssig.
Kaiserlich erhebt sich die Spitze des Besso hinter unserem Rücken. Kaum zu glauben, dass wir vor 6h da oben, 2000 Meter höher, gestanden haben.
Insgesamt war es doch wie angekündet: zs+*: ziemlich schön mit Sternchen!

Vielen Dank Hans für die Leitung und Organisation und den Teilnehmern (Marcel Stalder, Martin Schmid, Susan Wiederkehr, Erich Vetterli, Jacqueline Conus, Edwin Hof, Daniel Tobler) für diese schönen Hochtouren.