30.6.-4.7.2015 Simplon Dorf M. + R. Hartmann
Teilnehmer 7 Damen, 4 Herren (inkl. TL)
Ausbildung Geschichte, Geographie, Flora, Fauna

Bericht von Monika und Rolf Hartmann

Simplon-Dorf ist für sein gut erhaltenes Dorfbild und für seine historischen Gebäude bekannt. Dass es so viele Möglichkeiten für Bergwanderungen und Bergtouren bietet, war für die meisten in der Gruppe eine ganz neue Erfahrung. Dank späten Schneefällen und einer frühen Hitzewelle erlebten wir zudem einen wunderbaren Bergfrühling mit allen Phasen in einer einzigen Woche. Die Touren führten uns auf das Spitzhorli, ins Zwischbergtal, zur Monte Leone Hütte und in die Gondoschlucht. Überall entlang der Passstrasse verfolgte uns die spannende Geschichte von Stockalper und Napoleon.

Bericht und Bilder von Hans Richner

Geschichtsträchtig sind die meisten Alpenpassübergänge und die an ihnen gelegenen Dörfer. Je nachdem wer die Passwege oder -Strassen beherrschte und sie pflegte stieg oder sank ihre Bedeutung. Simplon-Dorf und die Umgebung haben Monika und Rolf in vielen Exkursionen erkundet und das Ergebnis in einem Ordner mit 20 Wandertouren dokumentiert. Vom gemütlichen Kleinhotel "Grina" - mitten im Dorf gelegen - werden wir also eine knappe Woche lang in verschiedene Richtungen ausschwärmen.

Um es gleich vorweg zu nehmen, es ist eine warme Sommerwoche und wir werden nie weder Schirm, noch Jacke gebrauchen - nur Sonnenhüte und -Crème. Nebst prächtigen Ausblicken auf mächtige Viertausender erwarten uns auch unzählige verschiedene Alpenblumen, darunter auch Trouvaillen, wie die ausgeschnittene Glockenblume oder der rauhe Steinbrech, die nur hier in dieser Gegend vorkommen.

Die Nachmittagswanderung führt uns in einem Halbbogen um das Dorf herum auf die andere Talseite mit uralten Lärchenriesen die schon längst vor Stockalpers Zeiten hier wurzelten. Von hier lässt sich das kompakte Dörfchen - erstmals 1307 als selbständige Gemeinde erwähnt - mit seinen Steinplatten bedeckten Häusern gut überblicken. Die Landwirtschaft hat mit ihren 12 Volllandwirtschaftbetrieben noch einen hohen Stellenwert. Die Dorfsennerei verkäst die Milch zu 98 Tonnen Käse, vorwiegend Raclette. Über dem Weiler Egga trohnt die mächtige Nordostwand des knapp viertausend Meter hohen Fletschhorns und hier wechseln wir die Talseite zum alten, etwa 300 Jahre alten Stockalperweg. Daselbst ist auch noch ein Stück der 1805 fertiggestellten ersten fahrbaren Strasse von Napoleon Bonaparte zu sehen nebst der Kantonsstrasse und der Nationalstrasse. Auf der teils noch vorhandenen Originalpflästerung des Stockalperweges, mit, von Hufen und Schuhnägeln längst glattgeschliffenen Steinen, wandern wir zurück ins Dorf. Mit dem Apéro im Garten ist der Wanderwochenstart bestens gelungen!

Weil wir mit der Woche erst am Dienstag starteten ist heute schon die Mittwochstour, die "Feuchtwarme". Von Süden hat sich über Nacht eine Hochnebeldecke ins Tal geschoben, die sich aber bald wieder lichten wird und der Sonne weicht. Die Route führt heute ebenfalls auf einem Stockalperweg hinunter nach Gabi, gleich vor der Gondoschlucht und dann hinauf zur Furggu 1872 m, weiter hinunter nach Zwischbergen und das gleichnamige Tal hinaus nach Gondo. An den schattigen Felsen einer kleinen Schlucht sehen wir noch die weissen Dolden des Strauss-Steinbrechs. Heute ist wegen der feuchten Luft schwitzen angesagt. Selbst einem Rucksack einer Teilnehmerin wird die Wärme zu viel; er platzt im Abstieg aus allen Nähten! Mittagsrast ist im Schatten eines Waldrandes unter der kleinen Kapelle in Zwischbergen. Unter den steilen Flanken des Seehorns führt der Weg meist in Sichtweite des rauschenden Baches an der rechten Talseite, oft durch Wald und über kleine Alpweiden. Bei den Gebäuden im Hof wechselt der Weg auf die Sonnseite. Hier wurde einst in kleinen Stollen gar nach Gold geschürft, und, wie das Museum in Gondo zeigt, reichte es immerhin um ein paar Goldmünzen zu prägen. In vielen Kehren überwindet das Fahrsträsschen die Steilstufe zum Grenzdorf Gondo während wir den direkten Abkürzungen des alten Weges folgen. Hin und wieder geben Baumlichtungen freie Sicht auf das, nach dem Unwetter im Oktober 2000, neu erstandene Grenzdorf unter den mächtigen Granitfelsen.

Die "Panoramatour"! Ein kleiner Publicar fährt uns zur Passhöhe hinauf. In Sichtweite des bekannten Simploner-Adlers wandern wir durch eine von der Eiszeit geformte Rund-höckerlandschaft mit Moortümpeln und Wollgras zum hübschen Hopschusee. Die Blumenpracht im weiteren Aufstieg in Richtung des Undru Rossusees auf 2474m ist vielfältig. Alpenrosen, Enzian, Silberwurz und gerade erst verblühte Pelzanemonen sind zu sehen. Bei der Znünirast beim Undru Rossusee lassen es sich einige nicht nehmen ins Wasser zu steigen. Rolf wagt gar ein paar Schwimmzüge. Bis zur Üsseri Nanzlicke auf 2602 m erwärmt auch Letzterer wieder. Bei der heutigen klaren Sicht wäre es fast eine Sünde das aussichtsreiche Spitzhorli 2737 m nicht zu ersteigen. Da braucht man grad eine Weile bis man diese Rundsicht mit den vielen Berggipfeln verinnerlicht hat. Man sieht weit von der Diablerets das Rhonetal hinauf zu den Berneralpen und bis zum Galenstock und Gotthard.

Dominierend ist da die gewaltige Felspyramide des Bietschhorns. Näher ist schon die formschöne Gruppe der Mischabelgruppe mit ihren sieben Viertausendern. Unverkennbar ist das Weisshorn mit dem angehängten Bishorn und dem vorgesetzten Brunegghorn. Selbst die Spitze des Matterhorns ist zu sehen. Nicht so weit von der Nanzlicke, vor einer Schäflerhütte, ist der Mittagshalt. Unweit davon drängt sich eine Gruppe Schwarz-nasenschafe in den spärlichen Schatten eines Felsens. Auf dem Weiterweg entgeht uns der über den Berghang huschende Schatten nicht. Ein Blick in den Himmel lässt uns ein prächtiges Adlerpaar, nahe über uns kreisend, sehen. Wie mühelos ziehen sie ihre Runden und steigen höher und höher. Und schon wieder eine nächste Überraschung! Bei der nächsten Schäflerhütte stehen drei Älpler, sie sollen im Wochenturnus zum Wohlergehen der Schafe schauen, in der weiteren Umgebung soll ein Wolf gesichtet worden sein. Sie offerieren uns Bier und andere Getränke, die Alpgenossenschaft kommt dafür auf. Der Vorrat an Bier, Wein und Schnaps scheint noch für eine Weile zu reichen!

Nächstes Ziel ist der Bistinenpass und weiter bergab die Häusergruppe Bielti im Talgrund. Hier trennen sich die Wege eines Teils der Wandergruppe. Wenige steigen zum Pass auf und die andern wandern, ebenfalls nach kurzem Anstieg, auf dem Stockalperweg Richtung Alter Spittel zum Engiloch. Die Postautofahrt beendet die heutige erlebnisreiche Wanderung.
Die "Brücken und Hüttentour" Heute entsteigen wir dem Publicar beim Simplon Hospiz. Das Tagesziel ist die Monte Leone Hütte SAC auf 2848 m nahe dem Chaltwasserpass. Die Blumenpracht am Wegrand hinauf zur Suone Chalti Wasser ist ausserordentlich. Nur die Langsamkeit eines Fussaufstiegs lässt es zu im dichten Gras auch eine Mondraute zu entdecken. Die Alpenrosen, hier schattseitig am Berg, sind wunderbar. Unser Weg muss unter und auf Felsplatten einige Bäche queren, welche vom Chaltwasser Gletscher gespiesen werden. Bald schon ist eine erste Brücke auf, in halbe Baumstämme gesägte Hölzer, zu überqueren. Das Stahlseil wird unsere ganze Gruppe nicht zerreissen können aber seine Halterung ist noch reparaturbedürftig, soll es denn auch einen Nutzen haben. Nasse Füsse hat noch niemand und es geht weiter tüchtig bergauf. Da - ein paar Mont Cenis Glockenblümchen dicht an einen Steinblock gelehnt. Auf Felsplatten geht es höher und wieder über Brücken hinüber ins Chaltwassertälli mit einigen Schneefeldern. Nach dem Aufstieg über dieselben ist der Blick frei zum noch beinahe ganz eingeschneiten Chaltwassersee. Das ist nichts zum Baden! Hingegen erwarten uns an den letzten Sonnenhängen zur Hütte hinauf noch eine Vielzahl kleiner Polster des blauen Himmelsherold. In oder vor der Monte Leone Hütte, einst eine alte Militärunterkunft nahe der italienischen Grenze, ist Mittagsrast. Die Bergwelt mit der Aussicht ist auch hier eindrücklich, wenngleich die Luft etwas angefeuchtet ist. Auch im Abstieg fällt niemand von einer Brücke und alle kommen trockenen Fusses im Hospiz an. Da und dort wird noch nahe dem Hospiz an einem wohlriechenden Männertreu geschnuppert. Ja - und wie es sich auf einer grossen Harley Davidson sitzen lässt inkl. HIFI testen Ursi und der Schreibende auch noch!

Die "mächtige Gondoschlucht oder Erdbeertour" Taschen und Köfferchen sind bereits gepackt und nach dem Morgenessen wandern wir wieder bergab nach Gabi. Daselbst biegt man stark nach links in die enge Gondoschlucht ein. Der Wegrand hat es in sich und lässt die Wandergruppe in die Länge ziehen. Grund: Unzählige rot leuchtende kleine Wald-erdbeeren und die schmecken wirklich so süss! Die Alte Kaserne, auch ein Gebäude aus Napoleons Zeiten, beherbergt heute eine interessante Ausstellung über die Entwicklung des Verkehrs am Simplon. Pause für eine Besichtigung oder eben Erdbeeren pflücken zu Hunderten. Eindrücklich ist der Weg in der Schlucht mit der heute kräftig rauschenden Doveria. Eindrücklich auch die Felswände mit steilen Platten, Brücken und Stegen und neu montierte Steinschlagnetze, kühl der lange Festungsstollen. Gespannt ist der Blick vorwärts auf ein wohl verirrtes Reh auf dem Weg. In Gondo bleibt noch Zeit das neue Dorf zu sehen, ehe es retour geht nach Simplon-Dorf. In Brig tauchen wir so richtig in die Sommerhitze ein.
Zum Glück kann man heute so viele wunderbare Bilder mit heimnehmen. Monika und Rolf haben sich wieder tüchtig ins Zeug gelegt damit wir hier eine vielseitige Auswahl an Wanderungen unternehmen konnten, umsichtig geführt wurden und für alles besorgt waren.
Ganz herzlichen Dank für Alles! Es war wunderschön und bleibt unvergesslich!