12.-18. Mai 2015 Kocher – Jagst – Radweg Stephan Kölliker
Teilnehmer 7 Damen, 4 Herren (inkl. TL)

Bericht von Stephan Kölliker

Wie wird das Wetter um die Auffahrtstage? Die grosse „Unbekannte“ für den Tourenleiter. Diesmal waren sie recht akzeptabel, nur der Freitag sah nasskalt aus. Aber zum Glück kam alles schöner und vor allem trocken sind wir geblieben! Danke, lieber Petrus. Fünf angenehme, mehrheitlich sonnige Radeltage durften wir zwischen Neckar, Hohenloher Land und Schwäbischer Alb erfahren. Abwechslungsreiche 335 km durch Wiesen, Wälder und Aecker. Entlang den vielen engen Flussschlaufen mit steilen Weinterrassen und romantischen alten Städten mit verwinkelten Fachwerkgassen, Schlösser und Burgen. Die Möglichkeit den Hunger und Durst zu stillen, konnte den verschiedenen Geschmäcker mehrheitlich entsprochen werden. Auch der Schlaf in div. Hotels war gut und erholsam. Nur ein Speichenbruch war die einzige Panne. Danke allen TeilnehmerInnen für das gute und unfallfreie Gelingen der 21. Auffahrtstour, so wird diese sicher in guter Erinnerung bleiben.

Kocher – Jagst-Radweg

Bericht von Urs Bernet

Wenn die letztjährige Auffahrtstour von Stephan die 20. war, dann war die diesjährige die
21. So einfach geht Rechnen, ganz ohne App. Eine rekordverdächtige Leistung. Herzlichen Dank. Erstmals waren wir ohne An- und Rückreise fünf Velotage unterwegs.
Zu Elft waren wir die rund 350 km den Flüssen Kocher und Jagst entlang, unterwegs. Der Vorderste natürlich Stephan, dahinter meist Maya, mit dabei Maria, Ursula, Niki, Lucia, Urs, Augusta, Elisabeth, Aldo. Als Schlusslicht mit Warnweste, Regina. Nicht die einzige Neuerung, Stephan trug Helm! Die Route war meist gut ausgeschildert, doch aufgepasst, andere Radrouten kreuzten sich mit unserer. Der Charakter, sanfte Abschnitte wechselten mit Hügeligen ab. Ruppige, oder längere Anstiege gab es wenige. Die Route führte entlang der Flüsse Kocher und Jagst, oft auch etwas abseits durch im Mai blühende Blumenwiesen und Rapsfelder, dann auch durch Waldstücke, schmucke Dörfer mit ihren Riegelhäusern und Städte wie es nur in Deutschland gibt. Begleitet wurden wir oft durch den nervösen Gesang der Mönchsgrasmücke, dem schlagenden Gesang der Nachtigallen. Oft hörten wir auch den Ruf des Kuckucks. Im Gegensatz zur Vielfalt der Biere war Lucia nicht immer mit dem Kaffee zufrieden. Das Wetter meinte es gut, meist sonnig bis schön, nur an zwei Tagen am Morgen recht kühl und bedeckt - ganz im Gegensatz zur Schweiz, wo stellweise viel Regen und Schnee bis 1100 Meter fiel. Das hatten wir doch auch schon auf unseren Auffahrtstouren. Die Regenetappe von Zürich über Winterthur nach Walkringen, Schneeflocken auf dem oberen Postweg nördlich Schaffhausen und Dauerregen auf der Bavaria Tyrolensis.
Was noch? Kein Sturz und einziger Defekt, eine gebrochene Speiche.
So kann man als Motto sagen, Auffahrtstour voll gelungen – Velofahren ist schön!

Start, Dienstag, 12. Mai: Zug, Zürich – Stuttgart – Aalen

In 2 Gruppen fuhren wir mit dem Zug von Zürich nach Aalen. Die einen mit Ankunft 13:25, die Andern infolge einer Zugstörung (keine Fahrleitungsstörung) verspätet, 15:45 Uhr. Hier trafen wir beim Hotel auch auf Aldo, der mit dem Velo anreiste. Die Ersteren hatten somit mehr Zeit für den ersten Kontakt mit der Altstadt und den Durst zu löschen.
Aalen, ehemalige Reichstadt, liegt am nördlichen Ausläufer der Schwäbischen Alb. Die Stadt kam zu ihrem Namen, als der römische Kaiser Antonius Pius Aalen die strategisch günstige Lage erkannte und hier sein grösstes Reiterkastell nördlich der Alpen erstellte.
Das Abendessen, Pizzas für 7 Euro (eigentliche Wagenräder), reichten jeweils für zwei Personen. Regina, neu ausgebildete Tourenleiterin, führte uns zielstrebig zum Hotel zurück. Zu erwähnen noch - Aldos Bett, es soll fürchterlich geknackt haben. Seine Zimmerkollegen fanden ihn am Morgen auf dem Boden schlafend.

Mittwoch, 13. Mai: Aalen – Gaildorf – Schwäbisch Hall 70 km

8:45 Uhr nach dem Morgenessen, ungewöhnlich früh für Stephan, ging es los. Zuerst galt es bei einigen Kreuzungen den richtigen Abzweig zu finden, dann aber ging es gut gekennzeichnet entlang der Kocher über Wasseralfingen, Hüttlingen nach Aptsgmünd.
Das Schloss Hohenstadt liessen wir bleiben, zu wenig reizte der steile Aufstieg.
Regina und Niki fanden das Tempo zu hoch, fanden aber kein Gehör. Das Veloverbot nach Untergröningen bei einer Wegsanierung wurde bewusst übersehen, die Missachtung der Wegsperrung wegen Holzschlag ergab dann noch eine verdiente Rüge.
Kurz darauf bemerkte Lucia ein Knacken. Eine Speiche war gebrochen. Es sollte der einzige Vorfall auf der Tour sein. Gut waren wir noch vor Mittag in Gaildorf, ein Velogeschäft hat noch offen. Damit der Arbeitsschluss eingehalten werden konnte, räumen Lucia und ich, während das Velo geflickt und neu eingestellt wurde, die vor dem Geschäft stehenden Velos in das Innere. Arbeitsteilung!
Nach Gaildorf ging es abseits der Kocher recht anstrengend auf und ab weiter. Der Bergpreis lag bei Westheim. Von dort waren wir schon um 14:00 im Kurpark von Schwäbisch Hall, wo gerade ein Kinderfest stattfand. Unser Hotel Kronprinz lag nicht weit entfernt. Schwäbisch Hall verdankt seinen Ursprung einer Solequelle. Die Salzgewinnung erfolgte, indem man die gewonnene Sole auf erhitzte Steine schüttete.
Der Reichtum von Schwäbisch Hall ist an hunderten von Gebäuden in verschiedenen Stilen, von Barock bis Romanisch in der Altstadt ersichtlich. Ich persönlich konnte nur sagen „Wau“.
Der Höhepunkt war der Apero auf der Terrasse eines Sudhauses. Das Wetterleuchten zeigte auf ferne Gewitter. So soll an diesem Abend bei Augsburg ein Wirbelsturm grosse Schäden angerichtet haben.

Donnerstag, 14. Mai, Auffahrt: Schwäbisch Hall – Künzelsau – Bad Wimpfen, 90 km

Wieder bei schönem Wetter ging es nach Haagen – Geislingen. Dort unterqueren wir die mit 184 m höchste Betonpfeilerbrücke Europa.
An diesem Tag hatten wir die längste Etappe, jedoch wenige Steigungen.
Auf dem Abschnitt nach Künzelsau, wo unser Kaffeehalt vorgesehen war, wetteiferte ein zirka 8 Jahre alter Knabe mit uns. Alle Achtung, auch wenn er von Papa etwas zusätzlichen Schub erhielt. Wie bei der damals bei Neckertour waren auf diesem Abschnitt Gruppen mit Leiterwagen, Getränken und Musik unterwegs. (Vatertag, Familientag oder nur Maibummel?) Die Weiterfahrt wie versprochen, führte durch eine sanfte Landschaft links und rechts der Kocher, durch Felder und Blumenwiesen, nach Friedrichshall. Mittagsrast für einmal Picknick in Ohrnberg. In Jagstfeld machten wir noch hoch über dem Necker, auf der Terrasse des Restaurants Sonne, halt. Am Horizont war auf einer Anhöhe unser Etappenziel Bad Wimpfen, auszumachen.
Augusta hatte die Brücken über die Kocher gezählt, die wir diesen Tag überquert hatten. Die Quizfrage konnte niemand beantworten. Es sollen 23 gewesen sei. Stephan fand, man hätte daneben auch Kläranlagen zählen können. Ich schätze, es waren 6. Der Himmel hatte sich bedeckt, so beeilten wir uns, um noch vor dem Regen über die Eisenbahnbrücke und über den Necker nach Bad Wimpfen zu gelangen.
Bad Wimpfen auf einem Hügel gelegen, ist ein wunderschönes altes Städtchen mit vielen Riegelhäusern. Unser Zimmer, eine Suite im obersten Geschoss unseres Hotels, ein Traum.
Zum Abendessen, für einmal hatte die Mehrheit Lust auf Schnitzel Pommes und Teigtaschen. Niki und Augusta fanden nach dem Abschlussbier die Hoteltür verschlossen vor. So musste der Tourenleiter zu später Stunde nochmals aus dem Bett. Ja, die Handynummernliste.

Freitag, 15. Mai: Bad Wimpfen – Möckmühl – Dörzbach 70 km

Die angekündete Kaltfront war gekommen, aber nicht der so gross angesagte Regen. Nur in der Nacht fiel etwas. Die Regenfront hielt sich südlich von Stuttgart. Lenzerheide ist wie im tiefsten Winter, berichtete Lucias Schwester.
Gut eingepackt ging es zurück über die
Eisenbahnbrücke, nun der Jagst entgegen. Ein Paar vor uns gab den Takt an. So wurden wir vor jeder Kurve gewarnt. Schnell waren wir so in Neudenau und etwas „früh“ beim Kaffeehalt, Tchibo. Zu früh auch für das grossartige Kuchenbuffet.
Nach einem kurzen Besuch der Dorfkirche ging es über Möcksmühl – Widen zur Götzenburg (Stammburg des Götz von Berlichingen), in Jagsthausen. Geschlossene Gesellschaft - geschlossen, darum weiter über Berlichingen zum Kloster Schöntal. Gerade hatten wir noch Zeit die romanische Klosterkirche zu besuchen, bevor eine Hochzeitgesellschaft diese in Beschlag nahm.
Hier konnten wir uns im Klostergarten mit Kuchen verwöhnen lassen.
Gestärkt und bei Sonnenschein fuhren wir weiter über Westernhausen – Krautheim nach Dörzbach, unserem Etappenziel. Dieser Abschnitt kein Zuckerlecken. Starker Gegenwind machte uns zu schaffen.
So waren wir froh, als unser Hotel, das Heuhotel Hirsch bereits beim Dorfeingang auftauchte. Glück, niemand musste im Heu schlafen, alle kamen in Zimmern unter. War es am Morgen noch recht kühl, konnten wir jetzt am Nachmittag unseren Flüssigkeitshaushalt draussen im Garten in Ordnung bringen.
Die Besitzer, die neben Pferden, Schweinen auch grosse Rebberge besitzen, klagten über die grosse Trockenheit in dieser Gegend. Unglaublich, in der Schweiz gerade Hochwasser mit Rekordständen im Bieler- und Neuenburgersee – und hier!
Zum Nachtessen ging es in die Kochstube Bitzer. Auch hier konnten wir noch draussen sitzen. Piccata mit Risotto, das Menu. Für die einen war es die beste Risotto die sie je gegessen hatten - für mich, es schmeckte eher nach Gerste! So gehen die Geschmäcker auseinander.
Ein Teil versucht sich anschliessend mit Gesang. Dabei wurden viele alte Schlager durchgenommen. Meist eher summend, die Texte müsste man noch können. Lärmklagen sind aber keine eingegangen.

Samstag, 16. Mai: Dörzbach – Langenburg – Crailsheim 60 km

Start an diesem Morgen wieder bei Sonnenschein. Neben uns waren zwei weitere Velogruppen unterwegs, die wir unterwegs immer wieder trafen, dabei auch das Paar vom Vortag. Hier waren auch viele Wandergruppen unterwegs. Offenbar fand hier ein grösserer Wanderanlass statt. An verschiedenen Orten wurden Stände mit Essen und Tranksame vorbereitet.
Bei der Kirche St. Anna Kapelle wurde ein erster Halt gemacht.
Das Gelände war wieder offener, dafür ging es vermehrt auf und ab weiter. Bei Oberregenbach erfolgte der erste richtige Anstieg zum Schloss Langenburg.
Schloss Langenburg, hoch oben traumhaft gelegen, war der Sitz der Familie Hohenlohe-Langenburg. Es ist eines der schönsten Renaissanceschlösser in Süddeutschland. Berühmt ist auch der Schlossgarten mit dem Innenhof. Hier genossen wir unseren wohlverdienten Kaffee. Für das Kuchenbuffet war es eher wieder zu früh.
Steil ging es wieder hinunter zurück zur Jagst und zum nächsten Aufstieg, Ruine Leofels. Der Anstieg auch hier nicht ganz so schlimm wie erwartet. Etwas enttäuschend, die Ruine steht nicht oben sondern weiter unten. So verzichteten wir auf einen Besuch. Mittagsrast war in Kirchberg. Auch hier eine Hochzeitgesellschaft, die auf den Einsatz wartete. Wir genossen zuerst vor dem Kaffee unser Picknick in einer Orangerie, wo gerade eine Boule Meisterschaft im Gange war. Die Pensionäre sollen jeden Tag 5 – 6 Stunden spielen. Spitzensport!
Wieder steil ging es hinunter zur Jagst. Für einmal waren Fahrkünste gefragt. Kies-, Schotter-und schmale Waldwege wechselten sich ab. Die Gruppe, die in unserem Hotel übernachtet hatte, suchte zwei ihrer Kollegen. Wir konnten nicht helfen.
Das Wetter war wieder kühler geworden, der Himmel bedeckt. Doch nach Crailsheim zum Hotel Post Faber war es nicht mehr weit.
In deutschen Dörfern werden Läden an Samstagen bereits um 17:00 geschlossen. Trist! Für einen kurzen Stadtrundgang mit Apero reichte es aber doch. So war der Hauptspektakel ein Storchenpaar auf dem Rathausdach, das ihre Jungen fütterte.
Im Hotel, auch hier ein Anlass, 125 Jahre wurde gefeiert.
Das Abendessen wurde speditiv serviert. Spargel mit Medaillon, das Einheitsmenu.

Sonntag, 17. Mai: Crailsheim – Ellwangen – Aalen 65 km

Das Frühstück war sehr reichhaltig. Fischliebhaber konnten aus 3 Sorten wählen.
Auch an diesem Morgen war es kühl und bedeckt, einzelne Tropfen fielen. Doch die schwarzen Wolken waren „noch“ nicht gesättigt. Wir blieben trocken. So starteten wir eingepackt zu unserer Schlussetappe, die recht sanft und mit Rückenwind begann.
In Ellwangen war Kaffeepause. Ellwangen, 764 als Benediktinerkloster gegründet, war später Residenz der Fürstpröpste. Bekannt ist auch die Stadtkirche, die Fresken beinhaltet, die je nach Standort des Betrachters sich ändern. Für eine umfassende Besichtigung fehlte aber die Zeit, was einzelne bedauerten.
Kurz nach Ellwangen machten wir einen Abstecher zum Limestor. Der Limes war ein mehr als 550 km langer Grenzwall, der von den Römern vor ca. 2000 Jahren als Reichsmarkierung und Grenzschutz gebaut wurde. Da gerade Museumstag war, kamen wir in Genuss eines interessanten Vortrags.
Hierdurch führt auch der 800 km lange Limes Radweg von Bad Hönningen nach Regensburg führt.
Entlang eines Stausees (kein Badewetter) erreichten wir Westhausen. Für den Aufstieg zur Kapfenburg gab es zwei Wege. Niki, nur auf die Pfeile schauend, die die Steilheit angeben sollten, wählte den direkten Weg (2 dünne, 1 dicker Pfeil). Wir Andern nahmen die Route über Lauchheim (3 dicke Pfeile) und wurden angenehm überrascht. Nur 7 Steigungsprozente. Und Niki? Er verfuhr sich gründlich! So kam er verspätet im Schlossrestaurant an
Jetzt wieder mit Gegenwind ging es über Hülen nach Arlesberg. Stephan entschied sich für die Originalroute über Waldhausen nach Simmisweiler. 4 km hin mit Rückenwind, 4 km zurück mit Gegenwind. Die direkte Verbindungsstrasse wäre nur etwa 1, 5 km lang gewesen. Ob er immer noch so entscheiden würde?
So richtig Verfahren haben wir uns nur einmal, in Simmensweiler. Zuerst rechts dann links, anstatt nur links und schon befanden wir uns auf einer endlosen, durchweichten Waldstrasse, die dazu noch stetig bergan führte. Es war aber nicht allein unsere Schuld, der Wirrwarr von Velorouten machte es uns nicht einfach.
Auf dieser Route mussten wir den grössten Teil der Abfahrt im Schritttempo mit Energievernichtung hinter uns bringen. Von dort war es aber nicht mehr weit nach Aalen.
Am Abend war die Temperatur wieder angenehm, der Apero unter freiem Himmel, das Rumpsteak oder das vegetarische Mixt, ein italienisches Eis, ein würdiger Abschluss.

Montag, 18. Mai: Rückreise, Aalen – Stuttgart – Zürich

Rückreisetag, wieder in 2 Etappen, 10:35 bez. 12.35 über Stuttgart – Zürich. Nicht alle - Aldo machte sich wieder mit dem Velo auf die Rückreise, die ihn über Schwäbisch Gmünd, Sigmaringen an den Bodensee brachte, von wo er weiter nach Wildhaus weiterfahren wollte. Für den Abschnitt Aalen – Bodensee gibt es sogar einen Bike Liner, der aber offenbar veraltet war, wie wir später erfuhren.
Für uns die Bahn - der Bahnstreik endete zwei Tage vor unserer Anreise und begann wieder einen Tag nach unserer Abreise.
Auch hier – Glück gehabt.
Einige stiessen noch zum Abschluss im Federal, Zürich HB mit einem Ittinger Klosterbräu auf die
gelungene Tour an.

Kocher – Jagst-Radweg

Bilder von Regina Glaus